“Ich kann Ihnen sagen, dass ich dabei geweint und daran gedacht habe, was meine Eltern durchgemacht haben müssen, als sie mich, ein gesundes Kind, irgendwohin schickten…”
Dieses Kind war Marie Jeníková, und sie wurde mit 19 Jahren als Zwangsarbeiterin in ein BMW-Lager geschickt. Die Konditionen dort waren so schlimm, dass sie gerade noch mit dem Leben davonkam.
BMW hatte tausende solcher Zwangsarbeiter in der NS-Zeit.
Und Opfer wie Marie Jeníková wurden nie von BMW kompensiert und trugen ihr Leben lang ein Trauma mit sich. Währenddessen wuchs das Unternehmen immer weiter und machte Rekordumsätze.
Viele Artikel im Internet (von z.B. Wikipedia oder BMW selbst) erzählen die Geschichte von BMW, aber gehen auf diese unangenehmen Teile wenig ein. Dabei gibt es noch viel mehr zu erzählen, und ich werde hier alles aufdecken.
Hier wirst du unter anderem folgendes über BMW lernen:
- Es wurde ursprünglich nicht für harmlose zwecke gegründet
- Es war nicht einfach nur ein Mitläufer im Nationalsozialismus
- Es wurde mit “schmutzigem” Geld vor dem Bankrott gerettet
- Auch heute noch ist BMW teilweise ein problematisches Unternehmen
Bei jedem Konzern kann man die Vergangenheit kritisieren. Aber ich vermute, bei keinem ist das so sehr der Fall, wie bei BMW – hier wirst du sehen, warum.
Inhaltsverzeichnis
Toggle1916 – Der wahre Grund, warum BMW gegründet wurde
Wir alle wissen, dass im Krieg tragische Sachen passieren: Familien werden getrennt, Häuser werden zerstört, Menschen sterben.
Manche aber profitieren.
Leute wie zum Beispiel Gustav Otto und Karl Rapp während des 1. Weltkriegs. Sie kombinierten ihre Unternehmen in der Motoren-Industrie und gründeten Bayerische Motoren Werke AG (BMW).
Das Ziel: Massenhaft Flugzeugmotoren erstellen und an den Staat verkaufen. Das ist auch die Idee hinter dem Logo – es repräsentiert einen sich rotierenden Propeller:

Die Geschäftsidee funktionierte. Sie profitierten massiv von staatlichen Rüstungsaufträgen. BMW ist ein perfektes Beispiel dafür, wie Kriege Unternehmen groß machen können.
Es ging also nicht um zivile Autos oder Motorräder, wie du vielleicht bisher gedacht hast. Aber das änderte sich:
1923 – BMW steigt auf zivile Autos und Motorräder um
Im Jahr 1923 hatte BMW plötzlich nichts mehr mit Krieg zu tun. Es stellte harmlose Motorräder und Autos her.
Warum dieser Sinneswandel? Wurden die Gründer plötzlich Pazifisten?
Nein. Dieser Wandel lag daran, dass Deutschland den Krieg verloren hatte und keine Flugmotoren mehr herstellen durfte.
Es änderten sich also nur die Umstände und nicht das Unternehmen von innen. Das erkennt man ganz klar im nächsten Abschnitt der BMW Geschichte:
1933–1945 – Was BMW in der NS-Zeit wirklich gemacht hat

Im Zweiten Weltkrieg stieg BMW wieder in die Produktion von Flugzeugmotoren für die Luftwaffe ein. Das Unternehmen wurde eines der wichtigsten Lieferanten für Flugzeugmotoren, Motorräder und Fahrzeuge für die Wehrmacht.
BMW baute auch Arbeitslager neben seinen Werken. Dort litten Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge, denn sie arbeiteten 6-7 Tage die Woche und 10-12 Stunden pro Tag – mit sehr wenig Nahrung, Krankheiten, Misshandlungen und fehlenden Schutzmaßnahmen.
Das 19-jährige Mädchen Marie Jeníková war eine Zwangsarbeiterin in diesen Lagern. Sie berichtete folgende Details:
- Die Unterkünfte waren überfüllte und unhygienische Holzbaracken (voll von Wanzen und anderem Ungeziefer).
- Sie erlebten mehrere Luftangriffe, bei denen Zwangsarbeiter ums Leben kamen.
- Die Holzbaracken eines Lagers waren 8 km von der Arbeit entfernt und man musste diesen Weg jeden Tag laufen.
- Marie Jeníková versuchte absichtlich, Maschinen oder Bauteile zu beschädigen. Sie wäre mit dem Tod bestraft worden, hätte man sie erwischt.
Aber waren nicht alle Unternehmen zu dieser Zeit so?
Die Antwort ist nein. Das Unternehmen Bosch zum Beispiel leistete Widerstand und unterstützte verfolgte Juden. Heißt: BMW machte bei den Verbrechen in der NS-Zeit aktiv mit.
1959 – BMW wird mit “schmutzigem” geld gerettet
Um diesen Abschnitt zu verstehen, musst du zuerst lernen, wer Günther Quandt ist.
Günther Quandt war ein Unternehmer, der massiv von Zwangsarbeit in der NS-Zeit profitierte. In seinen Lagern starben durchschnittlich 80 Menschen pro Monat. Er baute ein Vermögen auf dem Rücken von KZ-Häftlingen und wurde sogar zum Wehrwirtschaftsführer ernannt (ein NS-Ehrentitel).
Sein Sohn, Herbert Quandt, nutzte später dieses Vermögen, um BMW aufzukaufen, als das Unternehmen kurz vor dem Bankrott stand.
Der Teil, der bei dieser Geschichte keinen Sinn macht: Wieso wurde Günther Quandt dieses Vermögen in den gerichtlichen Prozessen nach dem Krieg nicht entzogen? Der Grund: Er wurde vom Gericht als “Mitläufer” eingestuft. Das lag aber daran, dass wichtige Dokumente beim Prozess nicht vorlagen. Wenn man damals alles gewusst hätte, was man heute weiß, hätte man ihn wahrscheinlich als “Hauptkriegsverbrecher” eingestuft.
Das alles bedeutet: BMW hat nur überlebt, weil es mit Geld gerettet wurde, das auf Zwangsarbeit basierte und eigentlich in den gerichtlichen Prozessen entzogen werden sollte.
Die Familie Quandt gibt es heutzutage übrigens immer noch und sie ist nach wie vor der größte Aktienhalter mit 46,7 Prozent aller Anteile von BMW. Wenn dich das Thema interessiert, kannst du mehr im Film Das Schweigen der Quandts erfahren.
Seitdem machte BMW nur noch harmlose Produkte, wie zum Beispiel dieses Auto hier:

2006 – BMW arbeitet die Vergangenheit auf
Im Jahr 2006 veröffentlichte BMW das Buch “Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit bei BMW”. Vermutlich, um zu zeigen, dass das Unternehmen sich seiner historischen Verantwortung bewusst ist.
Allerdings hat dieses Buch scharfe Kritik:
Zentrale Quellen, darunter etwa 5000 Personalakten von Zwangsarbeitern, seien der Öffentlichkeit und Wissenschaft bewusst vorenthalten. Stattdessen basiere das Buch auf begrenzten Dokumenten. Die Arbeit sei oberflächlich und selektiv.
Der Kritiker René Del Fabbro sagt, dass das Buch verharmlost, was passiert ist: BMW wird als Opfer der Kriegsumstände dargestellt. Die Verantwortung des Unternehmens für Zwangsarbeit und KZ-Häftlinge wird kaum beleuchtet, stattdessen wird die BMW-Führung eher entschuldigt als kritisch hinterfragt.
Die Gegenwart: Wie tickt BMW heute?

Heutzutage stellt BMW keine Produkte für Kriege her und es gibt selbstverständlich keine Arbeitslager mehr. Aber ist das Unternehmen dadurch komplett harmlos geworden? Bei meiner Recherche bin ich auf Folgendes gestoßen:
BMW macht “moderne Zwangsarbeit”?
BMW bezieht Kobalt für seine Elektrofahrzeuge aus der Bou-Azzer-Mine in Marokko. Dort arbeiten Menschen unter sehr schlechten Konditionen und bekommen teilweise nicht mal ihre Löhne ausgezahlt, berichtet die tagesschau. Außerdem verschmutzt die Mine das Trinkwasser in dieser Region.
Ich denke, das ist gewissermaßen eine Form von moderner Zwangsarbeit. Denn niemand will unter solchen Bedingungen arbeiten. Aber diese Menschen haben oft keine andere Wahl.
Nachdem dieses Problem von den Medien aufgegriffen wurde, machte BMW eine Untersuchung der Mine. Und das Unternehmen will die Ergebnisse dieser Untersuchung mit niemandem teilen, bezieht aber weiterhin Kobalt aus dieser Mine.
Lobbying
Laut Lobbycontrol spendet BMW Geld an politische Parteien – aber auf eine heimliche Art und Weise. Unter gewissen Umständen muss es nämlich nicht öffentlich gemacht werden, wenn jemand einer Partei Geld spendet.
Was ich an dieser Sache unheimlich finde: Wir wissen nicht, warum BMW das macht. Das Unternehmen spendet ja nicht einfach so. Sie haben konkrete Ziele und wollen die Politik beeinflussen. Die Frage ist: Haben sie einen guten oder schlechten Einfluss auf die Politik? Wir können leider nicht hinter die Kulissen schauen.
Pinkwashing
BMW hat in den letzten Jahren im Pride Month das Firmenlogo in Regenbogenfarben geändert. Aber es wirkt so, als hätte BMW das nur aus kommerziellen Gründen gemacht.
Denn wenn man sich die Social-Media-Accounts von BMW für Länder wie Saudi-Arabien, Russland und Polen anschaute, sah man, dass das originale Logo beibehalten wurde. Also ausgerechnet in den Ländern, wo diese Gruppen weniger Akzeptanz haben. Kritiker warfen dem Unternehmen daher vor, nur dort Solidarität zu zeigen, wo es kommerziell vorteilhaft ist.
Kartellabsprachen
Hierfür brauchst du ein wenig Kontext:
Es gibt sogenannte AdBlue Tanks, die bei Dieselautos den Ausstoß von Schadstoffen verringern. Je größer der Tank, desto länger kann das Auto sauber fahren, bevor man AdBlue nachfüllen muss.
Und im Jahr 2021 fand die EU-Wettbewerbskommission heraus, dass BMW, Audi, VW, Porsche und Daimler sich heimlich abgesprochen haben, diese Tanks nicht zu groß zu machen. Das nennt man Kartellbildung.
Aber warum machten sie das? Das Ziel war, Geld zu sparen und keinen Konkurrenzkampf um die beste Abgasreinigung zu starten.
BMW erhielt eine Strafe von 875 Millionen Euro.
BMW gegen Hasenbergl
Hasenbergl ist ein sozial benachteiligtes Viertel in München. Dort möchte BMW einen Autobahnzubringer bauen, um sein Forschungs- und Innovationszentrum im Münchner Norden besser an die Autobahn A99 anzubinden.
Der geplante Autobahnzubringer würde durch Parks, Grünstreifen sowie Sport- und Spielplätze führen – und die Einwohner würden davon nur Nachteile haben. Denn der Ort ist bereits recht eng. Und ohne Erholungs- und Begegnungsorte wird es zu einem unangenehmen Wohnort.
Derzeit wissen wir nicht, ob das Projekt umgesetzt wird oder nicht. Aber es sieht so aus, als möchte BMW es umsetzen, egal, was lokale Einwohner davon halten.
Fazit
Die Geschichte von BMW ist eng mit Kriegen, Zwangsarbeit und ethisch fragwürdigen Entscheidungen verknüpft. Während andere Firmen in der NS-Zeit Widerstand leisteten, profitierte BMW massiv und setzte tausende Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen ein – ohne je eine angemessene Entschädigung zu leisten.
Auch nach dem Krieg sicherte sich BMW durch Geld, das aus NS-Verbrechen stammte, seine Zukunft. Die Quandt-Familie, deren Vermögen zum Teil auf Zwangsarbeit basierte, hält bis heute fast die Hälfte der BMW-Aktien.
Obwohl BMW heute keine Kriegsprodukte mehr herstellt, gibt es weiterhin Kritik: Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette, politische Einflussnahme, Kartellabsprachen und fragwürdige Bauprojekte zeigen, dass ethische Verantwortung oft dem Profit untergeordnet wird.